Zimmer mit herausgebauten Erkern, fuer die die Bolzen's auch die
passenden alten schweren Eichenmoebel hatten. Oft haben wir bei ihnen
zu einem Kaffeestaendchen im Erker gesessen und den herrlichen, beinahe
berauschend schoenen und weiten Blick ueber die Landschaft genossen.
Ueber die beiden Staedtchen hinaus schwebte der Blick ueber Waelder,
gruenende Wiesen und wogende Felder hinweg, die zum Teil zu meinen
Jagdrevier gehoerten, bis hin zum Horizont, der von einer Höhenstraße
gebildet wurde, die meine Jagdgrenze war, bis hin zur Funkenburg, die
einsam auf der Höhe der großen Hauptverkehrsstraße stand, von der ich
vorhin erzählte. Dieses wirklich grandiose Panorama lief links in den
Burgwald und rechts in den Rümpfwald aus.
Wie haben wir noch nach 1945 um unser so ans Herz gewachsene Schloss
bangen müssen, als die Kommunisten ernstlich vorhatten, es zu schleifen.
Den Fürsten hatte man von seinen Besitzungen vertrieben, er ist in der
Fremde verstorben. Die Sarkophage aus dem Schloss wurden nach
Waldenburg in den dortigen Schlosspark überführt und für das Schloss
fand man in der katholischen Caritas einen Käufer, der jetzt ein Altersheim
darin untergebracht hat.
Der Dichter Heinrich von Kleist reiste einst mit der Postkutsche durch
Lichtenstein. Er hat in beredten und begeisternden Worten die Schönheit
dieses Panoramas in einem Brief an seine Braut beschrieben, An der Stelle
am Ende der Schlossallee, wo er rastete und den Brief schrieb, ließ der
Fürst 193o einen Gedenkstein errichten, in dem auf einer Kupferplatte die
auf die Schönheit der Landschaft sich beziehenden Sätze eingraviert sind.
Bei der Einweihung und Enthüllung goss es in Strömen, so dass uns
Teilnehmern der hohe Schwung dieser Feierstunde
buchstäblich ersoff.
Heinrich von Kleist an seine Braut Wilhelmine von
Zenge, auf der Fahrt von Dresden nach Würzburg
Zwickau, den 05. September 1800
Jetzt habe ich das Schönste auf meiner ganzen
bisherigen Reise gesehen, und ich will es Dir
beschreiben.